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Die Gruppe vor dem Giebichenstein. Dieses Bild ist aus dem Winter - im Juni steht der Wald natürlich anders da.

Spargel, ein 330-Tonnen-Stein und ein See, der fast verschwunden war: unsere Junitour durch die Krähe bei Nienburg

Am Ende dieser Wanderung liegt ein Stein, den nie jemand gewogen hat. 330 Tonnen sind ausgerechnet, nicht gemessen - man kann so ein Ding schlecht auf eine Waage legen. Er liegt seit über hunderttausend Jahren im Wald östlich von Nienburg, und im Juni sind wir zu ihm hingelaufen: knapp zwölf Kilometer durch die Krähe, an einem See vorbei, der nach dem Dürresommer 2022 fast verschwunden war, durchs Moor und zurück. Warum im Juni? Weil danach der Spargel aufhört. Und ohne Spargel gehen wir diese Runde nicht.

Wann gehen wir die Spargeltour?

Im Juni, und der Termin ist nicht verhandelbar. Die Spargelsaison endet traditionell am 24. Juni, dem Johannistag - danach braucht die Pflanze Ruhe fürs nächste Jahr. Wer also Wandern und Spargel verbinden will, hat ein Fenster von wenigen Wochen.

Wir machen diese Runde jedes Jahr. In diesem Jahr waren wir spät dran, praktisch am Ende der Saison - es war also gleichzeitig unser Spargelabessen.

Wo liegt die Krähe, und wo starten wir?

Die Krähe ist ein Waldgebiet östlich von Nienburg, auf dem Gebiet der Stadt Nienburg und der Gemeinde Stöckse. Amtlich ist es Staatsforst und seit 1968 Landschaftsschutzgebiet. Was es besonders macht, steht schon in der Beschreibung des Tourismusverbands: die Krähe besteht aus Wald, Moor und Heide und ist von Feldern umgeben. Auf zwölf Kilometern kommt man durch alles drei.

Wir treffen uns an der Krähe und fahren mit dem Auto hin - von Nienburg aus sind es ein paar Minuten. Wer den offiziellen Weg sucht: es gibt einen ausgewiesenen Wanderparkplatz an der Straße „An der Steingrube“, mit einer Tafel, auf der die vier markierten Rundstrecken stehen - rot 5,5 km, grün 5,9 km, gelb 4,7 km, blau 8,3 km. Unsere Runde ist keine davon; wir setzen uns unsere eigene zusammen.

Ein Hinweis, der wichtiger ist als er klingt: südwestlich der Stadt liegt ein Standortübungsplatz der Bundeswehr. Der ist eingezäunt, beschildert und darf nicht betreten werden - dort wird geschossen, es fahren Kettenfahrzeuge, und es kommt immer wieder Munition aus dem Zweiten Weltkrieg an die Oberfläche. Unsere Route führt in die andere Richtung.

Wie lang ist die Runde, und wie schwer?

Knapp zwölf Kilometer als Rundweg, 80 Höhenmeter im Aufstieg - verteilt auf zwölf Kilometer merkt man davon fast nichts. Komoot rechnet drei Stunden reine Gehzeit; mit Pausen, Kräuterkunde und dem langen Halt am Stein sind wir gut vier unterwegs.

Die Wege sind das Schönste an dieser Runde. Es sind schmale Waldwege, keine Forstautobahnen, und dazwischen stehen uralte Bäume. Feste Schuhe reichen. Nach Regen wird es an einigen Stellen weich - was in diesem Jahr kein Nachteil war, dazu komme ich noch.

Wenn du dir unsicher bist, ob du zwölf Kilometer schaffst: Wandern für Anfänger rund um Nienburg ist genau dafür geschrieben.

Was wächst am Wegesrand?

Mehr, als man auf den ersten Blick sieht - und deshalb bleiben wir auf jeder Wanderung ein paar Mal stehen. Kräuterkunde gehört bei mir dazu: ich schaue mir vorher an, was zu der Jahreszeit an der Strecke steht, und unterwegs zeige ich es dann. Wer will, hört zu; wer nicht, geht weiter. In der Krähe zeige ich meistens diese drei:

  • Schafgarbe - an den fein zerteilten, fast federartigen Blättern zu erkennen und an den weißen Blütendolden, die aus vielen winzigen Körbchen bestehen. Blüht von Mai bis September.
  • Spitzwegerich - die Blätter stehen alle in einer Rosette am Boden, schmal und spitz, und haben drei bis fünf deutliche Längsnerven. Darüber ein langer Stiel mit einer walzenförmigen Ähre.
  • Johanniskraut - das sicherste Merkmal ist der Stängel: er ist zweikantig und innen ausgefüllt, nicht hohl. Und wenn du ein Blatt gegen das Licht hältst, sieht es aus wie durchlöchert. Das sind Öldrüsen.

Am schönsten ist der Moment, in dem jemand sagt: „Das wächst bei mir im Garten, das habe ich immer für Unkraut gehalten.“

Beim Johanniskraut schließt sich der Kreis zum Spargel: es heißt nach Johannes dem Täufer, weil es um den 24. Juni herum blüht - also genau an dem Tag, an dem die Spargelsaison endet. Diese Wanderung hängt damit an zwei Dingen am selben Datum.

Warum stand der Stöckser See in manchen Jahren fast trocken?

Weil er kein natürlicher See ist. Der Stöckser See wurde 1971 ausgehoben - und zwar als erste Baumaßnahme für eine geplante Ferienhaussiedlung. Die Ferienhäuser wurden dann nie genehmigt. Übrig blieb das Wasser: rund 7.500 Quadratmeter Fläche, etwa einen Meter tief.

Ein flaches, künstlich angelegtes Stillgewässer hängt am Grundwasser, und das hat man in den letzten Jahren gesehen. Nach dem Dürresommer 2022 war der See fast ausgetrocknet - als Badesee war er damit erledigt, und für eine Wanderung ist ein leeres Loch im Wald kein Ziel. Dann kam das Weihnachtshochwasser 2023/24, und seitdem steht er wieder.

In diesem Juni hatten wir deshalb Glück. Es hatte viel geregnet, der See lag voll und still vor uns, mit Schilf am Rand und Seerosenblättern auf dem Wasser, und es waren Enten und Schwäne da. Nach drei mageren Jahren war das der Moment, an dem die Gruppe am längsten stehen geblieben ist.

Der Stöckser See im Waldgebiet Die Krähe bei Nienburg, Schilf und Seerosenblätter, bedeckter Himmel
Der Stöckser See im Juni: voll, still, Schilf am Rand und Seerosen auf dem Wasser. Nach dem Dürresommer 2022 sah es hier anders aus.

Baden würde ich dort trotzdem nicht. Der Stöckser See ist keiner der acht amtlich überwachten Badeseen im Landkreis, das Wasser wird also nicht kontrolliert.

Was ist der Giebichenstein?

Der größte Findling Niedersachsens - so betitelt das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie sein eigenes Merkblatt dazu. Er liegt rund 150 Meter nördlich des Stöckser Sees, mitten im Wald, und man steht ziemlich sprachlos davor.

Die Zahlen: 7,50 Meter lang, 4,50 Meter breit, 2,75 Meter hoch - und weil er noch etwa einen Meter im Boden steckt, sind es in Wirklichkeit 3,70 Meter. Aus dem Volumen von etwa 125 Kubikmetern haben die Geologen ein Gewicht von rund 330 Tonnen berechnet. Gewogen hat ihn niemand. Das ist etwa das Dreifache des nächstgrößeren Findlings in Niedersachsen.

Wandergruppe aus Nienburg vor dem Giebichenstein, dem größten Findling Niedersachsens, im Wald bei Stöckse
Die Gruppe vor dem Giebichenstein. Dieses Bild ist aus dem Winter - im Juni steht der Wald natürlich anders da.

Der Stein ist ein rötlicher, mittelkörniger Granit und kommt aus Schweden. Das Eis hat ihn hierher geschoben; eine Oberflächendatierung ergab rund 103.000 Jahre, seit er freiliegt. Er ist Naturdenkmal und ausgewiesenes Geotop.

Ganz ehrlich: dass er nicht der größte Norddeutschlands ist, hätte ich nicht gedacht. Der Buskam vor Rügen ist schwerer, ebenso zwei Steine in Mecklenburg und Nordrhein-Westfalen. Für Niedersachsen bleibt es der größte, und für einen Wald bei Nienburg ist das mehr als genug.

Woher hat der Stein seinen Namen?

Aus einer Sage. Unter dem Findling soll der Zwergenkönig Giebich gewohnt haben - einer von den gütigen, der die Menschen gegen böse Gewalten schützte. Als der Riese Hans Lohe aus dem Grinderwald den Kirchturm von Wölpe zerschmettern wollte, zwang Giebich den Stein zu Boden, bevor er sein Ziel traf.

Auf Platt heißt er auch Gewekenstein. Und er ist so wichtig für die Gegend, dass er im Wappen der Gemeinde Stöckse und der Samtgemeinde Steimbke steht.

Was liegt sonst noch in diesem Wald?

Eine ganze Menge, und das ist der Grund, warum diese Runde nie langweilig wird. Am Giebichenstein beginnt ein archäologischer Wanderpfad von einem Kilometer, angelegt 1978 - der erste in Niedersachsen, mit drei Stationen.

  • Das Großsteingrab, im Volksmund Teufelsbett, rund 100 Meter östlich des Steins. Es ist zwischen 3500 und 2800 vor Christus entstanden, die Grabkammer war etwa neun Meter lang und drei Meter breit. Heute stehen nur noch die Tragsteine. Die Decksteine wurden um 1780 zerschlagen - als Baumaterial für die Kurierstraße Hannover–London.
  • Das Jägerlager. Bei einer Ausgrabung 1967 am Fuß des Findlings kamen rund 300 Fundstücke zutage, Messer und Klingen aus Feuerstein. Hier haben in der Steinzeit Menschen gesessen und Werkzeug gemacht.
  • Das Hügelgräberfeld mit zehn erhaltenen Grabhügeln aus der älteren Bronzezeit. Ein ausgegrabener Steinkreis ist in der Nähe des Findlings zu sehen.

Und wer richtig tief einsteigen will: die Gemeinde Stöckse hat eine Rundtour „STEINreich“ eingerichtet - 50 Findlinge, über die ganze Gemeinde verteilt und zu einem Rundkurs verbunden. An jedem Stein hängt eine Plakette mit QR-Code, die erklärt, was man da eigentlich vor sich hat. Das ist eine eigene Wanderung wert.

Dürfen Hunde mit?

Ja. Bei dieser Tour hatten zwei Teilnehmer ihren Hund dabei, und der war ehrlich gesagt eine der besten Sachen des Tages - er hat uns immer wieder zum Lachen gebracht und am See als Erster gemerkt, dass wieder Wasser drin ist.

Hund an der Leine am flachen, schilfbewachsenen Ufer des Stöckser Sees bei Nienburg
Einer der beiden Hunde am Ufer des Stöckser Sees - er hat als Erster gemerkt, dass wieder Wasser drin ist.

Zwei Dinge dazu: sag mir vorher Bescheid, damit die anderen es wissen. Und in den Naturschutzgebieten ringsum gilt Leinenpflicht - das ist keine Empfehlung, das steht in den Verordnungen.

Wie kommen wir zurück?

Als Rundweg, durch Heide und Kiefernwald. Im Juni blüht die Heide noch nicht - die Besenheide kommt erst im August und September. Was man dafür bekommt, ist die Fläche selbst: offenes Gelände nach Kilometern Wald, und im Juni ist alles grün.

An dem Tag war es bedeckt und feucht, und ausgerechnet das hat die Runde gemacht: die Luft nach dem Regen war so gut, dass wir zwischendurch stehen geblieben sind und ein paar Atemübungen gemacht haben. Das steht in keinem Plan. Wenn die Luft und die Stelle danach sind, machen wir es - an dem Tag waren sie es. Wenn dich interessiert, warum Wald anders wirkt als andere Wege: darüber habe ich hier ausführlich geschrieben.

Zurück an den Autos machen wir das, was wir immer machen: eine kurze Besprechung, wie es war - und ein paar Dehnübungen für die Beine: Waden, Oberschenkel, Hüfte, fünf Minuten im Kreis stehend. Zwölf Kilometer sind zwölf Kilometer, auch wenn es flach war. Das ist der Teil, bei dem man merkt, dass da eine Kursleiterin mitgeht und nicht nur jemand mit einer Karte.

Und danach: Spargelabessen

Der Nienburger Spargel gilt hier als der beste Deutschlands. Das sagen sie in Beelitz über ihren auch, und in Schrobenhausen sowieso. Was uns niemand nehmen kann: „Nienburger Spargel“ ist seit 1996 eine eingetragene Marke - so heißen darf er nur, wenn er aus dem Landkreis kommt, ohne Bleichmittel und aus kontrolliertem Anbau. 964 Hektar Anbaufläche, bundesweit Platz sieben. Dazu ein eigenes Niedersächsisches Spargelmuseum in der Leinstraße und jedes Jahr eine Spargelkönigin - die Liste der Amtsinhaberinnen reicht zurück bis 1999. Über den Geschmack lässt sich streiten. Über die Fläche nicht.

Gegessen haben wir im Restaurant Am Bürgerpark in der Hannoverschen Straße - draußen, weil die Sonne inzwischen rausgekommen war. Spargel, Schinken, Kartoffeln, Sauce hollandaise, und danach hat sich niemand mehr bewegt.

Gedeckter Tisch mit Nienburger Spargel, Schinken und Kartoffeln nach der Wanderung
Zugegeben: dieses Foto ist aus einem anderen Restaurant. Wir essen offenbar öfter Spargel, als wir Fotos machen.

Weil es das Ende der Saison war, war es zugleich das Abessen. Nächstes Jahr wieder, und wieder vor dem 24. Juni.

Die Runde in Zahlen

  • Strecke: knapp 12 Kilometer als Rundweg
  • Höhenunterschied: 80 Meter im Aufstieg, verteilt über die ganze Strecke
  • Dauer: drei Stunden reine Gehzeit, mit Pausen gut vier
  • Gebiet: Waldgebiet „Die Krähe“ östlich von Nienburg, Gemeinde Stöckse
  • Unterwegs: Stöckser See, Giebichenstein, Großsteingrab, Hügelgräber, Heide
  • Untergrund: schmale Waldwege, nach Regen stellenweise weich
  • Beste Zeit: Juni, wegen des Spargels - die Heide blüht dagegen im August und September
  • Hunde: willkommen, in den Naturschutzgebieten an der Leine
  • Mitnehmen: feste Schuhe, etwas zu trinken, und Hunger für hinterher

Wer bei uns mitgeht

Wir sind eine bunt gemischte Gruppe, und das Tempo passt sich der Gruppe an. Wir bummeln nicht, aber keiner muss vorne mithalten und keiner bleibt hinten allein. Unterwegs wird viel geredet - manche kommen wegen der Strecke, andere wegen der Leute, die meisten wegen beidem.

Ich gehe mit und habe ein Auge darauf, dass die Gruppe zusammenbleibt. Die Touren suche ich vorher aus und plane sie, damit wir wissen, worauf wir uns einlassen.

Drei Dinge bringe ich mit, die eine Wanderung mit mir von einem Waldspaziergang unterscheiden: Kräuterkunde unterwegs, Atemübungen, wenn die Luft danach ist, und Dehnen am Ende. Kein Kursprogramm - das ist das, was ich beruflich sowieso mache, nur im Wald statt in der Halle.

Und jetzt der eigentliche Grund, warum ich das alles aufschreibe: komm beim nächsten Mal einfach mit. Du brauchst keine Ausrüstung, keine Erfahrung und niemanden, der dich mitbringt - feste Schuhe, eine Flasche Wasser, das reicht. Es ist ganz normal, dass jemand das erste Mal dabei ist und keinen kennt; nach dem ersten Kilometer redet man sowieso. Wo es als Nächstes langgeht und welche Runden wir schon gelaufen sind, steht auf der Seite Wandern rund um Nienburg. Schreib mir kurz, dass du kommst, dann rechne ich mit dir.

Holtorfer Sportvereinigung e. V.Unsere Wanderungen laufen über die Holtorfer Sportvereinigung e. V.

Unsere Touren - gelaufen und geplant

Wo wir schon waren und wo es als Nächstes hingeht. Tippe eine Tour an, dann klappen die Angaben auf.

Quellen: Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie - „Der Giebichenstein, der größte Findling in Niedersachsen“, Geotop 3321/01 · Landkreis Nienburg/Weser - Landschaftsschutzgebiet „Die Krähe“, LSG NI 32, Verordnung ab 13.11.1968 · Gemeinde Stöckse - Stöckser See, Giebichenstein, Hügelgrab mit Rundweg, Rundtour STEINreich · Denkmalatlas Niedersachsen - Großsteingrab Stöckse, Sprockhoff-Nr. 813 · NLWKN - Naturschutzgebiete Krähenmoor (HA 079), Krähenmoor II (HA 103) und Bunkenmoor (HA 185) · Mittelweser-Tourismus - Waldgebiet Krähe, markierte Strecken · Stadt Nienburg/Weser - EU-Badeseen im Landkreis · Arbeitsgemeinschaft „Nienburger Spargel“ - Marke DPMA 396 30 864, Anbaufläche und Entstehungsgeschichte · Niedersächsische Spargelstraße - Spargelmuseum und Saisonende · Bundeswehr - Regeln zum Betreten von Übungsplätzen · Bestimmungsmerkmale der Pflanzen nach Wikipedia und Offene Naturführer. Alle Angaben abgerufen am 28. August 2026.