Es gab eine Tour im letzten Jahr, bei der wir morgens am Dinopark losgingen und nachmittags am Meer saßen. Achtzehn Kilometer, drei Berge, ein Schloss, ein Kanal aus dem 18. Jahrhundert, eine Überfahrt im Holzboot zu einer künstlichen Insel - und am Ende ein Eis. Es ist die längste Wanderung, die wir machen, und die einzige, bei der wir mit dem Bus zurückfahren.
Wo geht die Tour los, und wo lassen wir die Autos?
Wir treffen uns am Dinopark in Münchehagen und stellen die Autos auf dem großen Parkplatz ab. Das ist der bequemste Start, den wir haben: Platz für alle, keine Parkplatzsuche im Dorf, und die Haltestelle für die Rückfahrt liegt direkt daneben.
Von dort geht es in den Wald und dann immer weiter Richtung Osten, bis das Steinhuder Meer vor uns liegt.

Wie kommen wir zurück?
Mit dem Bus, und zwar mit der Linie 835. Sie heißt FahrradBus und fährt von Steinhude über Hagenburg und Winzlar direkt bis zur Haltestelle am Saurierpark in Münchehagen. Fahrzeit rund 25 bis 30 Minuten, stündlich, kein Umsteigen.
Und jetzt der Satz, den man vorher lesen sollte: die 835 ist eine Saisonlinie. Sie fährt an Samstagen und Sonntagen von Ende März bis Ende Oktober, und von Juni bis August zusätzlich täglich. Wer diese Strecke im November plant, steht abends in Steinhude und kommt nicht zurück. Deshalb geht diese Tour nur im Sommerhalbjahr.
Was kommt auf den ersten Kilometern?
Wald, und dann Bad Rehburg. Der Ort ist heute ein ruhiger Ortsteil von Rehburg-Loccum, war aber einmal etwas ganz anderes: zwischen 1750 und 1850 war er als „Madeira des Nordens“ der Kurort des Adels aus dem Königreich Hannover. Die Heilquellen wurden 1690 erstmals urkundlich erwähnt.
Und es steht noch: Badehaus, Brunnenhaus, Wandelhalle, Kurpark. Bad Rehburg besitzt neben Hofgeismar das einzige noch erhaltene Badeensemble Deutschlands aus der Zeit der Romantik. Nach Jahrzehnten des Verfalls wurde es saniert und 2003 wieder eröffnet. Wir gehen daran vorbei, und jedes Mal sagt jemand, dass er da noch mal in Ruhe hinwill.
Warum machen wir Pause auf dem Wölpinghauser Berg?
Weil man von dort über das Steinhuder Meer schaut. 136 Meter - das ist kein Berg im eigentlichen Sinne, es ist eine Kuppe in den Rehburger Bergen. Aber es reicht, um den ganzen See auf einen Blick zu haben.
Oben steht der Wilhelmsturm: 25 Meter hoch, 106 Stufen, gebaut 1846 bis 1848 unter Fürst Georg zu Schaumburg-Lippe - nicht als Aussichtsturm, sondern für die Landesvermessung. Er gehört der Stadt Rehburg-Loccum und ist ganzjährig an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet, unten steht ein kleiner Kiosk. Der Weg dorthin ist Teil des Grimm-Märchenpfads und führt ins Kapitel „Rapunzel“ - kein Wunder, dass ihn hier alle Rapunzelturm nennen. Von der Plattform reicht der Blick bei klarer Luft bis zur Porta Westfalica, gut dreißig Kilometer entfernt. Die Sicht nach Norden über das Meer ist vom Turm aus inzwischen von hochgewachsenen Buchen verstellt - das Panorama holt man sich also besser vom Hang.
Wer gute Augen hat, sagt Inge, sieht ganz klein in der Ferne das Hermannsdenkmal. Nachprüfen konnten wir das nicht, es sind 63 Kilometer bis Detmold. Geschaut hat trotzdem jeder.
Hier machen wir die längste Pause: hinsetzen, etwas essen, reden.

Welche Berge kommen noch?
Zwei, und beide sind niedriger als der erste. Erst der Düdinghäuser Berg mit 121 Metern, dann der Atgeberg mit 101. Beide gehören zu den Rehburger Bergen, dem Höhenzug, der seinen Namen von dem alten Kurort hat.
Man merkt sie im Beinsinn mehr als im Kopf: Nach fünfzehn Kilometern ist auch eine kleine Steigung eine Steigung.
Was ist das Besondere an Hagenburg?
Ein Schloss, das heute Kunst verkauft. Die Vorgängerburg wurde 1369 als „Hagenborch“ erstmals urkundlich erwähnt und war später Sommersitz des Hauses Schaumburg-Lippe. Fürstin Juliane von Hessen-Philippsthal ließ sie ab 1793 zu einem klassizistischen Lustschloss umbauen.
2005 hat das Haus Schaumburg-Lippe das Schloss verkauft. Heute ist ein Kunst- und Auktionshaus darin, familiengeführt, mit drei bis vier Auktionen im Jahr. Der Landschaftspark drumherum ist öffentlich zugänglich.
Was ist die Rhododendron-Allee?
Vierhundert Meter Rhododendron, die direkt auf das Schloss zulaufen, gesäumt von Sumpfzypressen. Bepflanzt wurde die Allee 1913 - die Sträucher, durch die wir gehen, sind also über hundert Jahre alt.
Das ist Inges Lieblingsstück auf der ganzen Strecke. Und es hat einen Haken: die Blüte dauert nur zwei, drei Wochen, Ende Mai bis Anfang Juni. Wer den Zeitpunkt erwischt, geht durch einen Tunnel aus Farbe. Wer zwei Wochen später kommt, geht durch eine schöne grüne Allee und ahnt nichts davon.

Wozu wurde der Hagenburger Kanal gegraben?
Für den Bau einer Insel. 1772 ließ Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe den vorhandenen „Meergraben“ verbreitern - so entstand der 1,2 Kilometer lange Hagenburger Kanal, der vom Schloss schnurgerade zum Steinhuder Meer führt. Über ihn wurde das Baumaterial für den Wilhelmstein herangeschafft, die künstliche Insel draußen im See.
Den Wilhelmstein hat derselbe Graf zwischen 1761 und 1767 bauen lassen: erst wurde die Insel aufgeschüttet, dann die Festung daraufgesetzt. Sie sollte der uneinnehmbare Rückzugspunkt seiner kleinen Grafschaft sein, später wurde eine Kriegsschule daraus.
In der Gegend wird außerdem erzählt, der Schlossherr habe sich über den Kanal mit dem Boot auf die Insel in Sicherheit bringen können, wenn Angreifer kamen. Belegt ist das nicht - in den Quellen steht nur der Materialtransport. Schön ist die Geschichte trotzdem, und auf dem Kanaldamm erzählt sie sich von selbst.
Wo hat hier jemand Torf gestochen?
Direkt neben dem Weg. Am Kanal liegt der Moorgarten, ein 13.000 Quadratmeter großes Moorbiotop mit einem 350 Meter langen Lehrpfad. Ein Teil davon führt auf Holzbohlen über das Moor, und an einer Station wird erklärt, wie hier früher Torf gestochen wurde.
Die Geschichte hat zwei Teile. Am Ende des Kanaldamms zeichnen sich noch die alten Gruben ab: rechteckige Löcher, in denen die Hagenburger und Altenhäger Bauern bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg Torf für den eigenen Ofen gestochen haben. Und ab 1807 kam der kommerzielle Abbau dazu - Jérôme, Napoleons Bruder und König von Westfalen, förderte das Schlammbad in Bad Nenndorf, und der Torf dafür kam später aus der Gegend um Hagenburg.
Das Hagenburger Moor selbst steht seit dem 5. Juli 1962 unter Schutz und war damit das älteste Naturschutzgebiet am Steinhuder Meer. Die alten Torfstichflächen sind heute Bruchwald, nass und geschützt - die betritt man nicht, dafür gibt es den Bohlenweg.
Wo machen wir Kaffeepause?
Im Moorgarten-Café in der Schloßstraße, direkt neben dem Schloss und am Moorgarten. Draußen sitzen, Kaffee, Kuchen, und alle rechnen im Kopf nach, wie viele Kilometer noch fehlen. Es sind dann noch gut 1,2 - der Kanaldamm bis ans Wasser.


Wie kommen wir auf den Wilhelmstein?
Mit einem Boot, das es so nur hier gibt. Die „Auswanderer“ sind flache Ausflugsboote aus Holz, einzigartig in Europa, mit Platz für 25 bis 30 Leute, unter Segel oder mit Hilfsmotor. Sie legen am Anlegeplatz in Steinhude ab, Meerstraße 2, und fahren hinaus zur Insel.
Und dann steht man auf den 1,25 Hektar, die Graf Wilhelm zwischen 1761 und 1765 in den See schütten ließ, und sieht das Ufer, an dem man vorhin noch gelaufen ist. Die Boote fahren in der Saison vom 20. März bis zum 31. Oktober, wetterabhängig; die Überfahrt kostet für Erwachsene 10 Euro hin und zurück. Für Gruppen zur Insel gilt eine Mindestzahl - als Wandergruppe sind wir ohnehin genug.


Wie endet die Tour?
Am Wasser entlang bis nach Steinhude, und dann mit einem Eis. Der klassische Abschluss ist das Eiscafé Winkelgasse im Alten Winkel 4, seit 2003 in einem alten Fischerhaus mitten im Ort. Ein Hinweis, der schon mal für Unruhe gesorgt hat: dort wird nur bar bezahlt. Wer nach achtzehn Kilometern kein Bargeld dabei hat, guckt zu.
Danach zur Haltestelle, in die 835, und eine halbe Stunde später stehen wir wieder zwischen den Dinosauriern auf dem Parkplatz.

Die Runde in Zahlen
- Strecke: rund 18 Kilometer, kein Rundweg - Start und Ziel liegen auseinander
- Dauer: etwa fünf Stunden bis ans Meer, mit Pausen mehr
- Start: Parkplatz am Dinopark Münchehagen
- Ziel: Steinhude, Eiscafé Winkelgasse, Alter Winkel 4
- Rückfahrt: Buslinie 835, rund 25 bis 30 Minuten, stündlich, nur in der Saison
- Auf dem Wasser: Überfahrt zum Wilhelmstein mit den „Auswanderern“, 20. März bis 31. Oktober, 10 Euro hin und zurück
- Unterwegs: Bad Rehburg, Wölpinghauser Berg mit Wilhelmsturm, Düdinghäuser Berg, Atgeberg, Schloss Hagenburg, Rhododendron-Allee, Hagenburger Kanal, Moorgarten
- Beste Zeit: Ende Mai bis Anfang Juni, wenn die Rhododendren blühen
- Schwierigkeit: lang, aber nicht schwer - drei flache Kuppen, sonst Wald- und Feldwege
- Mitnehmen: feste Schuhe, genug zu trinken, Verpflegung für die Pause und Bargeld fürs Eis
Wer bei uns mitgeht
Wir sind eine bunt gemischte Gruppe, und das Tempo passt sich der Gruppe an. Achtzehn Kilometer sind unsere längste Tour bisher - wer unsicher ist, ob das passt, spricht mich vorher an, dann gehen wir das gemeinsam durch. Am Ende, zurück an den Autos, dehnen wir wie immer ein paar Minuten: warum und mit welchen Übungen, steht hier.
Komm beim nächsten Mal einfach mit. Du brauchst keine Ausrüstung und keine Erfahrung, feste Schuhe und etwas zu trinken reichen. Wo es als Nächstes langgeht und welche Runden wir schon gelaufen sind, steht auf der Seite Wandern rund um Nienburg. Schreib mir kurz, dass du kommst, dann rechne ich mit dir.
Unsere Touren - gelaufen und geplant
Wo wir schon waren und wo es als Nächstes hingeht. Tippe eine Tour an, dann klappen die Angaben auf.
Staustufe, Marsch und Bruchwald
Wann: 20. September 2026
Länge: 16,2 km
Treffpunkt: 9:30 Uhr, HSV-Halle Holtorf oder Parkplatz bei tedox, Rudolf-Diesel-Straße 4 in Nienburg
Von Landesbergen zum Schäferhof, eine Strecke und kein Rundweg. Los geht es an der Kirche in Landesbergen, am Schwimmbad vorbei zur Wellier Schleife - Naturschutzgebiet an der Staustufe, wo das Wasser über das Wehr geht. Danach durch die Marsch, streckenweise direkt an der Weser, bei Estorf über die Bundesstraße und in den Wald. Durch den Nienburger Bruch bis zum Schäferhof, wo wir uns verabschieden.
Etwa vier Stunden, leicht bis moderat, keine schwierigen Passagen, mit einer richtigen Esspause. Wenn es für die Gruppe zu lang wird, kürzen wir unterwegs ab.
Von einem der beiden Treffpunkte fahren wir gemeinsam nach Landesbergen. Am Ende kommt jeder wieder zu seinem Auto zurück, das organisieren wir - ein eigenes Auto brauchst du nicht.
Feste Schuhe, etwas zu trinken und etwas zu essen für die Pause. Mehr brauchst du nicht.
Oyler Berg und Binnener Schlucht
Wann: 8. November 2026
Unser Jahresabschluss. Erst der Oyler Berg, dann die Binnener Schlucht - und hinterher gibt es Grünkohl.
Nienburger Krähe zum Stöckser See
Länge: 12 km
Zwölf Kilometer als Rundweg durch das Waldgebiet „Die Krähe“ östlich von Nienburg. Unterwegs liegen der Stöckser See, der Giebichenstein - der größte Findling Niedersachsens -, ein Großsteingrab und zehn bronzezeitliche Grabhügel. Schmale Waldwege, kaum Steigung, nach Regen stellenweise weich.
Diese Tour hat einen Stichtag: die Spargelsaison endet am 24. Juni. Deshalb gehen wir sie im Juni und setzen uns hinterher zum Spargelessen.
Köhler Berge im Schnee
Länge: 10 km
Die Köhler Berge im Schnee. Kalt, hell und still - eine der schönsten Runden im Winter.
Leeser Rundweg mit Trimm-dich-Pfad
Länge: 12 km
Der Leeser Rundweg, unterwegs kommt der Trimm-dich-Pfad - den haben wir nicht ausgelassen.
Hermann-Löns-Weg um Brokeloh
Länge: 11 km
Treffpunkt: Parkplatz Bickbeernhof, Brokeloher Hauptstraße 37, 31628 Landesbergen
Elf Kilometer rund um das Dorf, durch lichten Wald und über die letzte Heidefläche im Ort. Zwei Findlinge aus der Eiszeit, eine Schutzhütte auf dem Tempelberg - und am Ende Blaubeeren auf dem Bickbeernhof.
Nienburger Hafen nach Drakenburg
Länge: 14 km
Unsere Winterwanderung am Wasser entlang, vom Nienburger Hafen bis nach Drakenburg.
Steyerberg mit Eichenkrad
Länge: 16 km
Eine lange Runde durch den Wald bei Steyerberg, vorbei am Eichenkrad.
Dino-Park Münchehagen zum Steinhuder Meer
Länge: 18 km
Die längste Strecke, die wir bisher gegangen sind, und meine Lieblingstour. Zurück ging es mit dem Bus.
Quellen: Wikipedia - Rehburger Berge (Höhenangaben Wölpinghauser Berg 136 m, Düdinghäuser Berg 121 m, Atgeberg 101 m), Wilhelmsturm (Wölpinghausen), Bad Rehburg, Schloss Hagenburg, Wilhelmstein, Hagenburger Moor · Schaumburger Landschaft - „Historischer Ortsspaziergang durch Dorf und Flur Hagenburg“ (Kanal 1772 aus dem Meergraben, Torfstich am Kanaldamm, Schlammbad Bad Nenndorf ab 1807) · Naturpark Steinhuder Meer - Schloss Hagenburg mit Schlosspark, Rhododendron-Allee seit 1913, Moorgarten mit 350-m-Lehrpfad · steinhuder-meer.de - Hagenburger Kanal, Moorgarten Hagenburg, Eiscafé Winkelgasse · Kunst- und Auktionshaus Schloß Hagenburg · Deutsche Märchenstraße - Wilhelmsturm, Grimm-Märchenpfad, Öffnungszeiten · steinhuder-meer.de - „Auswanderer“, Saison und Fahrpreise · VLN Nienburg - Fahrplan Linie 835, gültig 28.03.2026 bis 31.10.2026. Alle Angaben abgerufen am 28. August 2026.